Diäten sind ein Problem und keine Lösung.

Diäten sind ein Problem und keine Lösung.

Ich weiß nicht, wie oft ich früher gedacht habe: „die nächste Diät wird all meine Gewichtsprobleme lösen“. Es gab schließlich immer wieder neue und vermeintlich “revolutionäre“ Diätvarianten, die ich noch nicht ausprobiert hatte. Und die wirklich so richtig überzeugend klangen. Und einfach durchzuhalten. Und auch noch gesund. Und überhaupt.

Das Lesen eines neuen Diätbuchs oder eines gut geschriebenen Artikels in einer Frauenzeitschrift, die verlockend aussehenden, super fotografierten Rezepte und natürlich die unschlagbar tollen Versprechungen haben auf mich wie ein Motivationsschub gewirkt. 5 Kilos in einer Woche? Kurz ausrechnen: Dann muss ich das doch nur so vier, fünf Wochen durchhalten und dann hab‘ ich fast schon mein Wunschgewicht und passe endlich in die Klamotten, die ich tragen will und kann hoch erhobenen Hauptes auf die nächste Party gehen. Das dürfte doch gar kein Problem sein. Was sind schon fünf Wochen? Man soll auch gar keinen Hunger haben, wird da geschrieben. Es ist einfach zuzubereiten und schmecken soll es auch noch. Damit fang ich morgen sofort an!

 

Wahrscheinlich hat jede, die das hier liest, eine ähnliche Erfahrung mit Diätangeboten gemacht. Sie wirken unheimlich motivierend und ganz problemlos umzusetzen und sind der nächste Strohhalm, an den man sich klammern kann. Denn mal ehrlich: Wir suchen doch immer nach der einen perfekten Lösung für unser Problem. Wenn es bisher mit Diäten nicht dauerhaft geklappt hat, dann doch wohl nur, weil ich noch nicht die richtige Diät für mich entdeckt habe. Die muss es doch wohl geben! Ganz sicher! Bestimmt ist es diese hier.

 

Der Körper registriert bei Diäten sofort: Hungersnot!

Und was macht er schlauerweise? Er fährt den Stoffwechsel runter und arbeitet nur noch auf Sparflamme. Er wird dir jegliche Lust auf Sport austreiben, damit du bloß nicht noch zusätzliche Kalorien sinnlos verbrauchst. Und er scheint die vorhandenen Reserven festhalten zu wollen. Vollkommen logische Reaktion. In grauer Vorzeit ging es schließlich um Leben und Tod, wenn die Nahrung knapp wurde. Dein Körper hat ja keine Ahnung, dass du an vollen Regalen vorbeischlenderst, um am Ende nur den Eiweißshake zu kaufen. Er wähnt dich in einer schweren Hungersnot und möchte dich vor Schlimmerem bewahren. Also wird er dafür sorgen, dass du so richtig Appetit auf all die Dinge bekommst, die du dir besonders strikt verbietest – der ach so gefürchtete Heißhunger.

Und sobald du wieder ausreichend Nahrung und Kalorien zu dir nimmst, wird dein Körper alles tun, um die Speicher schnell wieder aufzufüllen. Mehr noch: er wird versuchen zusätzliche Reserven anzulegen – zur Sicherheit. Also kommt noch ein weiteres Speckröllchen dazu, man kann ja nie wissen, wann die nächste Hungersnot naht. Für deinen Körper lebst du schließlich eindeutig in unsicheren Zeiten.

 

Du kämpfst mit einem Körper, der dein Freund ist.

Auch wenn es manchmal vielleicht schwerfallen mag, es so zu sehen: Dein Körper will nur das Beste für dich, er will dich am Leben erhalten, er will, dass es dir gut geht, dass du sicher bist. Wäre es nicht schön, ihn dafür zu ehren anstatt ihn abzulehnen und vielleicht sogar als Sündenbock zu betrachten? Vielleicht könntest du ja damit beginnen, zumindest Verständnis für seine Reaktionen zu haben. Das wäre schon mal ein guter Anfang.

 

Das Unterbewusstsein ist immer stärker als der Verstand.

Die Entscheidung für eine Diät triffst du aus dem Verstand heraus. Es erscheint dir logisch und sinnvoll und natürlich absolut nötig, für einen gewissen Zeitraum deine Nahrungsaufnahme streng zu kontrollieren und einzuschränken. Dabei wird übersehen, dass dein Körper, all seine Funktionen inklusive Stoffwechsel, Verdauung, Appetit usw. vom Unterbewusstsein gesteuert werden. Da zieht der Verstand einfach gnadenlos den Kürzeren.

Mein Verstand hat es nie gutheißen können, wenn ich eine ganze Packung Schokoladeneis verschlungen habe. Das sichere Wissen, dass ich es später bereuen und dass mir wahrscheinlich sogar kotzübel sein würde, konnte meine Fressattacke jedoch fast nie verhindern. Dafür waren die unterbewussten Programme zu stark. In meinem Fall das Programm zum Schutz vor dem tiefliegenden Schmerz. Der Anteil in mir, der mich vor diesen Gefühlen bewahren wollte, hat dafür gesorgt, dass ich mich mit Essen betäubt, abgelenkt und getröstet habe. Durch meine Gewichtszunahme hatte ich plötzlich ein anderes Problem, auf das ich mich konzentrieren konnte. Und gleichzeitig eine Erklärung für die Ablehnung, die ich erfahren hatte. Ganz schön geschickt unser Unterbewusstsein, oder? Und immer, einfach immer verbunden mit einer guten Absicht! Das dürfen wir niemals vergessen!

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